ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Die Geschichte des Reifen und technische Kurzinfo

Den Reifen, wie wir ihn heute kennen, gibt es erst seit der Entwicklung des Gummis, der durch Vulkanisieren des Kautschuks erstmals 1839 von Charles Goodyear hergestellt wurde.

Davor waren neben Vollmetallrädern zumeist Holzräder im Einsatz, die, weil das Holz viel zu verschleißintensiv ist, mit einem eisernen Ring beschlagen waren. Diese Reifen halten auch den hölzernen Radkranz mit seinen Speichen an der Nabe. Aufgezogen wurde der Reifen in erhitztem Zustand, wobei er sich ausdehnt und beim Erkalten wieder fest zieht.

Der Rest des Rades hält nur auf Spannung. Löst man den Reifen, lassen sich so gebrochene Teile leicht auswechseln. Eine vergleichbare Technik verwendet noch heute der Fassküfer, der bei der Fassherstellung Fassreifen verbaut. Sie halten die Fassdauben zusammen und bestehen heute aus Metall, früher fertigte der Reifschneider hölzerne Fassreifen. Diese Technik ist seit der Antike bekannt.

Reifenpannen waren früher genauso an der Tagesordnung wie heute, da auch der beschlagene Reifen verschleißt. Daher war entlang der Verkehrswege eine ähnliche Reparatur-Infrastruktur vorhanden wie heute; wie auch der Hufschmied fand sich der Wagner oder Stellmacher früher in jedem größeren Dorf und ist seither als häufiger Familienname erhalten. 

Reifengröße, Reifenbezeichnung & Reifenmarkierung

Wir wollen im folgenden kurz exemplarisch auf die oft kryptisch wirkenden Kennzeichnungen für Reifengröße, Reifenbezeichnung & Reifenmarkierungen eingehen. So bedeutet die Aufschrift 185/65 R 15 85H folgendes:

  • 185 – Die Gesamtbreite des Reifens unbelastet an der breitesten Stelle (nicht der Lauffläche) beträgt 185 mm.
  • 65 – gibt das prozentuale Verhältnis von Flankenhöhe zu Reifenbreite an. In unserem Beispiel beträgt die Flankenhöhe 120 mm. Fehlt diese Zahl, also z.B. bei einer Reifenbezeichnung von 155 R 15, so ist dieses Verhältnis 82%.
  • R – kennzeichnet die radiale Bauweise der Reifenkarkasse.
  • 15 – gibt den notwendigen Felgendurchmesser in Zoll an.
  • 85 – ist der Tragfähigkeitsindex – in diesem Beispiel 515 kg.
  • H – ist der Geschwindigkeitsindex (siehe unten) und gibt die max. erlaubte Geschwindigkeit an, in diesem Beispiel 210 km/h.
  • Tubeless – (TL) schlauchlos.
  • Tubetype – (TT) Schlauchreifen.
  • M+S – Matsch+Schnee-Reifen, Winterreifen (dies sagt jedoch nichts über die Wintertauglichkeit aus, da keine geschützte Bezeichnung).
  • Run-Flat-Reifen – Reifen mit Notlaufeigenschaften.
    Immer mehr kommen solche Reifen mit Notlaufeigenschaften zum Einsatz, die im Falle eines Reifenschadens die Weiterfahrt mit verminderter Geschwindigkeit (80 km/h) von mindestens 80 bis zu 300 Kilometern zulassen. Diese Reifen werden auch als Runflat-Reifen, Run-Flat-Reifen oder RunOnFlat-Reifen bezeichnet. Je nach Hersteller sind sie mit den Kürzeln ROF, RFT, EMT (Extended Mobility Tire), RSC (Runflat System Component), SSR (Self-Supporting Runflat Tire) oder DSST (Dunlop Self Supporting Technology) versehen.

VORSCHRIFTEN IN ÖSTERREICH

Zentrales Werk für den Einsatz von Reifen ist das Kraftfahrgesetz (KFG) und die Kraftfahrgesetz-Durchführungsverordnung (KDV). Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt in Österreich:

  • für Kraftfahrzeuge (ausgenommen Motorfahrräder) mit einer Bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 25 km/h und bei Anhängern, mit denen eine Geschwindigkeit von 25 km/h überschritten werden darf: 1,6 mm (Winterreifen in Radialbauweise: 4 mm, in Diagonalbauweise: 5 mm).
  • für Kraftfahrzeuge und Anhänger mit einem höchsten zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3500 kg: 2 mm. (Winterreifen in Radialbauweise: 5 mm, in Diagonalbauweise: 6 mm).
  • für Motorfahrräder: 1,0 mm

Als Winterreifen gelten nur M+S-Reifen oder M+S+E-Reifen, die die Mindestprofiltiefe für Winterreifen nicht unterschreiten. Nur sie erlauben den Betrieb bei Winterreifenpflicht oder auf Straßen, die nur mit Winterausrüstung befahren werden dürfen. Sind Winterreifen nicht vorgeschrieben, gelten auch für M+S-Reifen oder M+S+E-Reifen lediglich die auch für normale Reifen gültigen Mindestprofiltiefen.

Es ist verboten, Kraftwagen mit nicht mehr als 3500 kg höchster zulässiger Gesamtmasse (und Anhänger, die damit gezogen werden dürfen) achsweise mit Mischbereifung, also Sommerreifen auf einer Achse und Winterreifen (M+S mit Winterreifen-Profiltiefe) auf der anderen, zu betreiben (Ausnahme: Räder die keine Kräfte auf die Fahrbahn übertragen). Außerdem dürfen auf einer Achse nur Winterreifen oder nur M+S-Reifen ohne Winterreifen-Profiltiefe oder nur Sommerreifen zum Betrieb verwendet werden.

Charles Goodyear
Stellmacher
Aufbau eines Reifen
Eines unserer Reifenlager